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Überblick über die Geschichte Rhedes


Ersterwähnung Rhede im Jahre 1050

Mühle Krechting um 1931

Rhede, ursprünglich eine Bauernschaft mit verstreut liegenden Einzelhöfen, gehörte zur Urpfarre Bocholt. Die älteste bekannte Bezeichnung für Rhede lautet "Rethi" und taucht erstmals um 1050 in den Heberegistern des Klosters Werden a.d. Ruhr auf, das zu jener Zeit über zahlreichen Grundbesitz auch in unserem Raum verfügte. Der Name "Rethi", ab 1150 "Rethe", geht wahrscheinlich auf das Wort "rêt"=Riet, Schilf, zurück, denn das Schilf fand in dem durch den Rheder Bach gebildeten Sumpfgelände günstige Wachstumsbedingungen.

 

Weit vor der eigentlichen "geschichtlichen" Zeit Rhedes hat es eine Besiedlung im südlichen Stadtgebiet in den Winkelhauser Bergen gegeben, wo sich bei den Vorbereitungsarbeiten zum Bau des Sportzentrums ein großer Kreisgräberfriedhof aus der Übergangszeit von der späten Bronzezeit zur frühen Eisenzeit (11.- 6. Jahrhundert v. Chr.) fand. Die zum Friedhof gehörende Siedlung wurde bisher nicht gefunden. Man darf sie aber in den Winkelhauser Bergen vermuten.

 

Im 13. Jahrhundert wird in Urkunden erstmalig der Name eines Rittergeschlechtes von Rethe erwähnt, aus dem die Stammherren des Hauses Rhede hervorgegangen sind. Die Herren von Rethe waren mit Sicherheit auch die Gründer der Pfarrkirche. Um diese der heiligen Gudula geweihten Pfarrkirche bildete sich nach und nach eine dörfliche Siedlung, die bereits seit 1300 den heutigen Namen Rhede trägt.

 


Rheder Kirche und Adelsgeschlecht

 

Die erste Kirche wird wohl ein Holzbau gewesen sein. Die erste Steinkirche stammte aus romanischer Zeit um 1100. Gegen 1400 scheint das romanische Kirchlein zu klein geworden zu sein. 1435 schob man die Südwand um 4 m heraus und setzte einen gotischen Chorschluss an.

 

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges kam es zu einem enormen Anwachsen der Dorfbevölkerung. Hatte das Dorf 1662 noch 760 Einwohner, so waren es 1750 schon 2938. Man musste an eine nochmalige Erweiterung der Kirche denken. 1784 setzte man einen saalähnlichen Anbau an die gotische Kirche an. Ungefähr 50 Jahre genügte diese Kirche den Anforderungen. Die Bevölkerung wuchs so stark an, dass ein Neubau immer dringlicher wurde. Von 1898 bis 1901 errichtete man eine neugotische Kirche, die heutige St.-Gudula-Kirche.

 

Die Herren von Rethe erbauten Mitte des 13. Jahrhunderts östlich der Kirche an der Stelle des als "Borg" bezeichneten Geländes (heute Gudulakloster/Klausenhof) eine Burg, die 1324 wahrscheinlich durch den Bischof von Münster zerstört wurde. Um 1370 erfolgte der Übergang des Besitzes an die Herren von Rhemen, die den alten Burgsitz "auf dem Berge" erneuerten. 1388 abermals zerstört, erlaubte 1426 der Bischof von Münster den Wiederaufbau "der Burg mit Bergfried und Beihaus bei dem Dorfe." Schloss Haus Rhede wurde an der Stelle der heutigen Schlossanlage errichtet. 1564 ersetzte Lubbert von Rhemen den bisherigen Bau durch ein stattliches Herrenhaus oder Schloss, dessen Nordostflügel mit Turm noch heute erhalten ist.

 

Nach 1695 wechselten mehrmals die Besitzer von Haus Rhede: von Coevorden, von Kleist, von Wartensleben, bis schließlich die fürstliche Familie zu Salm-Salm das Haus Rhede 1850 erwarb. Das Schloss dient noch heute der Familie als Wohnsitz.

 


Zeiten des Krieges und des Wiederaufbaues

Gemeindewappen Rhede

 

Im Laufe der Geschichte hat die Gemeinde Rhede wiederholt Zeiten der Not erlebt, die durch Kriege, Seuchen und Missernten hervorgerufen wurden. Schwer betroffen wurde Rhede gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch den Spanisch-Niederländischen Krieg (1566-1609), der Dreißigjähige Krieg (1618-1648) brachte Rhede die unglückselige, jahrzehntelange Besetzung durch hessische Truppen, während des Münsterländisch-Holländischen Krieges wurde unser Raum durch die kriegerische Politik des Fürstbischofs Bernhard von Galen stark in Mitleidenschaft gezogen. Ab 1674 begannen für Rhede Jahrzehnte der Ruhe und des Friedens, die erst durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) unterbrochen wurden.

 

Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 ging das Fürstbistum Münster, dem Rhede über mehr als 600 Jahre angehört hatte, als politische Einheit unter. In den darauffolgenden Jahren wechselte mehrmals die politische Zugehörigkeit der Gemeinde. 1803-1810 gehörte Rhede mit seinen 3700 Einwohnern zum Fürstentum Salm-Salm, wurde 1810 dem Kaiserreich Frankreich einverleibt und fiel 1815 schließlich an Preußen. 1841 wurde dann das Amt Rhede gebildet.

 

In den nachfolgenden Jahrzehnten hatte Rhede nur eine unbedeutende Entwicklung zu verzeichnen. Die Zahl der Einwohner stagnierte. Die Landwirtschaft war wenig ertragreich und bot nur geringe Existenzmöglichkeiten. Die Bevölkerung lebte vorwiegend von der Flachsspinnerei und -weberei, die in Heimarbeit betrieben wurden. Erst gegen 1890 begann ein neuer Abschnitt in der Rheder Geschichte. Die ersten Textilbetriebe wurden gegründet, die innerhalb weniger Jahrzehnte aus kleinen Anfängen zu bedeutenden Unternehmen emporwuchsen. Parallel zum wirtschaftlichen Fortschritt verlief auch die übrige Entwicklung. Das Dorfbild veränderte sich, neue Straßen wurden angelegt, Chausseen in die umliegenden Bauernschaften gebaut. 1901 erfolgte die Fertigstellung und Einweihung der neuen Pfarrkirche, 1902 der Anschluss an das überörtliche Verkehrsnetz durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Münster - Empel. 1906 erbaute die Gemeinde eine Gasfabrik, die die Häuser und Straßen von Rhede mit Glühlicht versorgte. Die positive Entwicklung der Gemeinde hat seither angedauert.

 

Zwar haben die beiden Weltkriege das Wachstum Rhedes gehemmt, aber nicht aufzuhalten vermocht. Vor allem nach 1945 setzt ein stürmischer Aufschwung ein, der Rhede den Charakter einer Industriegemeinde gab. Im harmonischen Nebeneinander haben sich aber Handwerk und Handel gut behauptet. In den landwirtschaftlich ausgerichteten Flächen vollzog sich ein Wandel zu modernen, existenzfähigen Unternehmen.

 

Auf kommunalem Sektor konnten zahlreiche Vorhaben verwirklicht werden, wie z.B. die Schaffung der zentralen Wasserversorgung, die Anlegung der Kanalisation mit Bau des Klärwerks, der Straßenbau, die Erstellung der modernen Freibadanlage, die Errichtung des Schulzentrums und anderer Schulgebäude sowie die Neugestaltung des Rheder Ortskerns.

 


Neugliederung und Stadtwerdung

Im Zuge der kommunalen Neugliederung schlossen sich 1968 Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Rhede zusammen, nachdem bereits 1955 die damaligen Gemeinden Rhede und Altrhede vereinigt worden waren.

 

Besonders in den Jahren nach 1968 hat sich die Struktur- und Siedlungsform städtisch entwickelt. Die Einwohnerzahl der 78,6 qkm großen Gemeinde ist von damals 13 200 auf heute über 18 000 angewachsen und steigt kontinuierlich weiter. Etwa 13 500 Einwohner leben in der geschlossenen Ortslage Rhede, die durch den Neu- und Umbau von Geschäftshäusern, Banken und Gaststättenbetrieben, durch Schaffung von Grünzonen und Beleuchtungsanlagen, durch Freizeit-, Erholungs- und Sporteinrichtungen sowie durch fortschrittliche Wohnsiedlungsformen städtisches Gepräge erhalten hat.

 

So blieben auch der Bestand der Gemeinde Rhede und ihre Grenze durch die allgemeine Gebietsreform zum 1. Januar 1975 im Münsterland und im benachbarten Niederrheingebiet unangetastet - ein Beweis für Leistungsfähigkeit und Eigenständigkeit und ein Zeichen der mittelzentralen Bedeutung.

 

Am 25.7.1975 wurde Rhede durch das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen die Bezeichnung "Stadt" verliehen. Die Urkundenübergabe war am 4. Oktober 1975.

 


Rhede nach der Stadtwerdung und heute

St. Gudula Kirche

Im Frühjahr 1981 erhielt Rhede als Bundes- und Landesstützpunkt für Leichtathletik ein nach modernsten Erkenntnissen eingerichtetes Sportzentrum an der Bundesstraße 67.

 

Im August 1994 wurde das neue Rathaus mit dem Stadtmitte-Projekt nach nicht einmal zweijähriger Bauzeit mit einem großen Stadtfest für die gesamte Bevölkerung offiziell eröffnet.

 

Mit rund 11% Siedlungsfläche ist das Stadtgebiet von Rhede ein ländlich geprägter Raum, der sich - eingebunden in der Westmünsterländische Parklandschaft - durch abwechslungsreiche, relativ kleinteilige Strukturen auszeichnet.

 

Obwohl die Bevölkerung  von 2.737 Einwohnern im Jahre 1750 auf über 17.000 Einwohner im Jahre 1991 gewachsen ist, hat Rhede seine ländlich geprägte Stadtstruktur erhalten können. Von den 78,65 qkm Fläche sind 4,72 qkm bebaut, 54,63 qkm landwirtschaftlich genutzt und 14,29 qkm Waldfläche. Der Schwerpunkt der Siedlungsentwicklung liegt im Bereich der Kernstadt. Geschlossene Siedlungseinheiten sind außerdem Krechting im Süden und Vardingholt im Norden. Obwohl in den letzten Jahrzehnten vor allem an der B67 einige höhere Gebäude entstanden sind, bestimmt der weithin sichtbare Turm der St.-Gudula-Kirche auch heute noch die Stadtsilhouette. Die Gebäude sind überwiegend ein- bis zweigeschossig, in höher verdichteten Stadtkern kommen auch dreigeschossige Gebäude vor.

 

Die Landschaft hat hohe ökologische Qualität und einen hohen Freizeitwert.

 

Auch wenn es in Rhede beschaulicher zugeht als in einer Großstadt, so steht Rhede dennoch dafür weltoffen und modern zu sein. Rhede ist bekannt für seine vielfältige Gastronomie und die gemütliche Innenstadt.

 

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