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Spielzeug im Dritten Reich

Do, 15.08.2019 - So, 03.11.2019
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Max und Moritz - Spielzeug im Dritten Reich © Stadt Rhede„Oh, welche Lust, Soldat zu sein“ heißt die derzeitige Sonderaussstellung im Spielzeugmuseum Max und Moritz, Auf der Kirchwiese 1 in Rhede. Sie verdeutlicht die Machenschaften der Nationalsozialisten im Dritten Reich.

Gezeigt wird Kinderspielzeug und Informatives aus dem Dritten Reich. Eva Gutersohn, Inhaberin des Rheder Spielzeugmuseums Max und Moritz, verdeutlicht in einer Ankündigung zur Ausstellung: „Mir war es ein Bedürfnis, vor dem Jahrestag zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September vor 80 Jahren zu zeigen, wie das nationalsozialistische Regime versuchte, selbst die Kleinen für seine Zwecke zu gewinnen. Die Propaganda begann bereits im Kinderzimmer.“

Selbst die Mädchen und Jungen, kaum dem Kindergarten entwachsen, wurden vereinnahmt, wie die Rhederin von Jahrgang 1942 im Spielzeugmuseum in Rhede eindrucksvoll dokumentiert. Gutersohn hat die meisten Ausstellungsstücke aus ihrem unerschöpflichen Repertoire zusammengestellt.

Die Jungen und Mädchen ließen sich damals begeistern, führt sie aus – mit Uniformen, Wettkampf-, Gesellschaftsspielen und durch das Umfeld. „Sie wurden mit den Machtmitteln von Staat und Partei dazu gezwungen“, sagt Eva Gutersohn, „selbst wenn sich die Eltern gegen eine Partei-Mitgliedschaft stellten.“ Die seien einfach machtlos gewesen. Auch, weil die Kinder sich vom Umfeld begeistern ließen – von Spielkameraden, von der allgemeinen Stimmung, zum Teil von Zwängen in Schulen.

Jungen zwischen zehn und 14 Jahren gingen ins „Deutsche Jungvolk“ (DJV) und wurden „Pimpfe“ genannt. Anschließend folgte die „Hitlerjugend“ (HJ), von 14 bis 18 Jahren. Ab 18 folgte der „Reichsarbeitsdienst“ (RAD). Ab Februar 1943 wurden 15- und 16-Jährige als „Luftwaffenhelfer“ oder zum Luftschutz (Feuerwehr) und später zum „Volkssturm“ eingezogen, wie die Ausstellung belegt.

Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren traten den „Deutschen Jungmädchen“ (DJM) bei, danach – zwischen 14 und 18 – dem „Bund Deutscher Mädchen“ (BDM) und waren schließlich im „Reichsarbeitsdienst“ tätig, zum Beispiel als Flakhelferin, für Nachrichtentätigkeiten, Büroarbeiten und besonders für gerngesehene soziale Aufgaben.

Die „Pimpfe“ gingen in den Wald, Eicheln sammeln, heißt es in einem Heftchen: „Zwölf Säcke voll haben sie dem Förster gebracht für die Rehe im Winter. Dafür haben sie schön Geld bekommen, und nun freuen sie sich; denn jetzt kann sich das Fähnlein was kaufen, vielleicht eine Zeltbahn oder eine Jacke für einen armen Kameraden.“

Die Jungen waren besessen von Kriegsspielzeug, berichtet Eva Gutersohn – und hat Vitrinen gefüllt mit Figuren: Fahnen-, Fackelträger, Reiter, Trommler, Posaunisten, Flötisten. „Musik spielte eine ganz wichtige Rolle“, sagt Eva Gutersohn: „In Jugendzeltlagern ging es immer um Spiel, Spaß, Sport, Singen und Musizieren.“

Den Mädchen sei von den Nazis ebenfalls früh eine bestimmte Rolle zugeordnet worden. Eva Gutersohn: „Sie spielten Mutter und Kind. Herzenswunsch aller Mädchen waren Puppe, Puppenwagen, Kochherd und Puppenstube.“ Eben die typischen Mädchenthemen.

Pädagogisches und staatliches Ziel sei es laut Pressemitteilung des Museums vor allem gewesen, sogenannte „gute Hausfrauen und Mütter zu erziehen“. Ein Spruch von damals in einer Puppenspielszene mit Küche, Badewanne, Bügeltisch und Waschbrett: „Mädels, werdet gute Hausfrauen und bekommt viele Kinder zum Heil des Vaterlandes.“ Für Jungen waren dagegen „Puppen verpönt: Das hätte sie weibisch gemacht“, erläutert Eva Gutersohn. Selbst das Kasperletheater wurde von den Nazis umgedreht: Juden erhielten immer Prügel.

Eva Gutersohn hofft, dass nach den Sommerferien vor allem Schulklassen die Ausstellung nutzen, um sich über den scheinbar spielerischen Umgang der Nazis mit Kindern zu informieren. „Sie können anschaulich erfahren, wie in der damaligen schlimmen Zeit schon die Kinder in die Propagandamaschinerie des Hitler-Regimes eingebunden wurden.“

Fotos: max-u-moritz.de

Rubrik
Dauerausstellungen

Veranstaltungsort
Spielzeugmuseum Max und Moritz, Rhede
Veranstaltungsinformationen
Eintritt:Öffnungszeiten:
dienstags bis donnerstags und sonntags, jeweils 15 bis 18 Uhr. Ausstellungsdauer: bis Mitte Oktober.
Führungen auf Anfrage auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten.

Auf einer Ausstellungsfläche von etwa 200 Quadratmetern bietet das
www.max-u-moritz.de

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