Mit Blick auf den vollen Saal, in dem die Gäste auf unterschiedlichen Stuhlmodellen saßen, bat Helmut Ebbert um Verständnis für dieses Sammelsurium. „Wir haben bei der Stadt Bocholt nachgefragt, ob wir nicht Theaterstühle leihen können“, scherzte er in Anspielung auf die verschwundenen Stühle aus dem Stadttheater der Nachbarstadt. Sein Kollege Tim Hofstede stellte das Unternehmen mit seinen Produkten von Ferngläsern über Wärmebildkameras und Teleskope bis hin zu Smart-Learning-Produkten für Kinder vor. Trotz der positiven Entwicklung des Unternehmens gehe auch an Bresser die weltweiten Herausforderungen nicht vorbei. Neben dem schwankenden Dollarkurs stellten vor allem „Direktimporte illegaler Ramschware aus Fernost“ ein Problem dar. Um das Thema Markenpiraterie geht es deshalb in einem Vortrag, zu dem die Firma Bresser gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Rhede und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken (WFG für den Kreis Borken) für den 12. Oktober, 16 Uhr, einlädt. Referent ist Professor Dr.-Ing. Felix Groß aus Berlin.
Rhedes Bürgermeister Jürgen Bernsmann begrüßte die Gäste im Namen der Stadt, die den Wirtschaftsdialog seit 2016 organisiert. „Der Wirtschaftsdialog bietet uns zweimal jährlich die Gelegenheit, Sie über wichtige Vorhaben aus Verwaltung und Stadtentwicklung zu informieren“, sagte Bernsmann. Das sei ein sichtbarer Beleg dafür, dass Rhede sich stetig weiterentwickelt und das „immer mit dem Anspruch, gute Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.“
Bernsmann warf einen kritischen Blick nach Berlin und auf die schwierigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Er empfahl den Bundes- und Landespolitikern einen Blick in die Kommunen. „Denn hier vor Ort erleben wir täglich, dass konstruktive, verlässliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus funktionieren kann – oft ohne großes Getöse, ohne permanente Selbstdarstellung und ohne ideologische Schützengräben. Sondern pragmatisch, lösungsorientiert und nah an den Menschen.“
Interessante Einblicke in die Welt der Künstlichen Intelligenz gab Leon Bürger von der Ahauser Firma Tobit Software. Er zeigte seinem Publikum Gefahren aber auch Stärken und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz auf, die in der Firmenzentrale in Ahaus längst Einzug gehalten hat. So gehören dort KI-Agenten bei Besprechungen dazu, die nicht nur Protokoll führen, sondern im Nachhinein auch eine Analyse geben können. Oder QR-Codes an den Toilettenräumen, über die Wünsche oder Beschwerden gemeldet werden können.
Ursula Kormann, Geschäftsführerin der Verkehrs- und Werbegemeinschaft Rhede e.V., stellte das Projekt „Azubis at it’s best“ und erfolgreiche Ausbildungsbetriebe vor: die Goldschmiede Hesse mit ihrem ausgezeichneten Gesellen Silas Düchting, die Firma Bad und Konzept, die eine eigene Lehrwerkstatt für ihre Azubis anbietet und das Kapelle-Hoxfeld-Azubi-Projekt realisiert hat, sowie das Digiscouts-Projekt von Azubis der Firma Jemako, die ein Management-Tool für Wartungsverträge entwickelt haben.
Der Beigeordnete Hubert Wewering berichtete über den Stand im geplanten neuen Gewerbegebiet an der Stadtgrenze zu Bocholt. Die Entwicklung habe sehr lange gedauert, „aber jetzt stehen wir kurz vor dem Zieleinlauf“. In der zweiten Jahreshälfte soll voraussichtlich die Vermarktung starten, ein Jahr später könnten dann die ersten Betriebe mit dem Bau beginnen, so Wewering.
Mit Blick auf Wewerings Ausscheiden aus der Verwaltung Ende August nutzte Jutta Holthöfer-Büse, Wirtschaftsförderin und Moderatorin des Abends, die Gelegenheit und dankte dem Beigeordneten, der seit Beginn des Wirtschaftsdialogs die Unternehmer immer über die Entwicklungen in Rhede auf dem Laufenden gehalten hat. Der wiederum lobte die gute Zusammenarbeit mit der Rheder Wirtschaft. Stadtentwicklung könne nur gemeinsam funktionieren und das klappe in Rhede gut.
Im Rahmen der Schlaglichter wurden die aktuellen Rheder-Modell-Projekte von Christoph Bölting vorgestellt. Holthöfer-Büse wies gemeinsam mit dem Gründungsberater Tobias Ebbing der WFG für den Kreis Borken auf ein neues Format hin – den Stammtisch des Netzwerks Unternehmergeist Rhede. Hierzu werden Gründungsinteressierte, Start-Ups und Unternehmerinnen und Unternehmer erstmals für den 16. Juli 2026 eingeladen.
Der nächste Wirtschaftsdialog findet ausnahmsweise einmal nicht in Rhede statt. Gastgeberin ist am 12. November 2026 die Westfälische Hochschule in Bochol



